News-Meldung

15.01.2013·09:23·Prominente Fans

Christian Ehrhoff: "Im Nationaltrikot vor dem Fernseher"

Der Verteidiger ist auch mit der Nationalmannschaft erfolgreich.  © Bongarts/GettyImages
Der Verteidiger ist auch mit der Nationalmannschaft erfolgreich.

Rund 50.000 Mitglieder hat der Fan Club Nationalmannschaft powered by Coca-Cola. Aber der DFB-Auswahl drücken noch viel mehr Menschen die Daumen. Darunter auch zahlreiche bekannte Größen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Zum zehnjährigen Bestehens des Fan Club Nationalmannschaft sprechen sie in der neuen Rubrik "Prominente Fans" mit DFB.de über ihre Fußball-Leidenschaft.

Etwas unverhofft ist Christian Ehrhoff zu 32 Spielen für seinen Heimatklub gekommen. Der Lockout in der NHL bescherte den Krefeld Pinguinen die Rückkehr des deutschen Eishockey-Stars. Nun haben sich Verband und Spielgewerkschaft in der nordamerikanischen Profiliga über die finanziellen Bedingungen geeinigt, so dass der Verteidiger zu den Buffalo Sabres zurückgekehrt ist.

Am kommenden Samstag startet nun die NHL-Saison. Für Christian Ehrhoff geht es am Sonntag mit dem Heimspiel gegen die Philadelphia Flyers los. Es ist der Auftakt für ein strammes Programm: Bis zum 26. April stehen 48 Begegnungen auf dem Spielplan - dann fangen die Play-offs an. Im fanclub.dfb.de-Interview mit Redakteur Niels Barnhofer spricht Christian Ehrhoff über Stadionbesuche, Fußball-Fernsehabende im Nationaltrikot und seinen Zehn-Jahres-Vertrag.

fanclub.dfb.de: Herr Ehrhoff, konnten Sie dem NHL-Lockout auch etwas Positives abgewinnen?

Christian Ehrhoff: Ja, seit über zehn Jahren konnte ich zum ersten Mal wieder Weihnachten zu Hause feiern. Das hat auch unsere Familie gefreut. Wir haben zwei kleine Kinder, und da waren die Omas und Opas froh, die beiden über die Feiertage um sich zu haben.

fanclub.dfb.de: Dass Sie in Deutschland wieder mehr Fußball schauen konnten, gehörte das auch zu den angenehmen Effekten des Lockouts?

Christian Ehrhoff: Das stimmt. Ich war auch ein paar Mal im Stadion. Leider ist mein Terminplan ziemlich voll, so dass das nicht allzu oft klappt. Aber das Spiel zwischen Borussia Dortmund und Real Madrid in der Champions League habe ich mir nicht entgehen lassen. Außerdem war ich zum Start der Bundesligasaison beim BVB. Das sind Momente, die ich in Nordamerika nicht miterleben könnte.

fanclub.dfb.de: Ist Borussia Dortmund Ihr Verein?

Christian Ehrhoff: Ja, er gehört auch dazu. Ich drücke eigentlich allen Vereinen die Daumen, die es hier im Umkreis gibt. Wir wohnen in Krefeld und kommen hierher jeden Sommer zurück, wenn die NHL-Saison beendet ist.

fanclub.dfb.de: Wie halten Sie sich in Nordamerika über den deutschen Fußball auf dem Laufenden?

Christian Ehrhoff: Über die Tageszeitungen erhält man eine Grundinformation. Außerdem habe ich die Möglichkeit, ein Bundesligaspiel pro Woche live zu sehen. Ich meinem Fernsehpaket, das ich gebucht habe, gibt es einen Sender, der die Übertragungsrechte dafür hält. Und immer wenn ich die Gelegenheit dazu habe, schaue ich mir die Spiele auch an.

fanclub.dfb.de: Sie spielen nun schon seit über zehn Jahren in der NHL. Wie amerikanisiert sind Sie?

Christian Ehrhoff: Ich bin meinen deutschen Wurzeln treu. Wir sprechen zu Hause deutsch. Wir behalten die deutsche Kultur bei. Meine Frau kocht immer. Das ist ja eher untypisch in Nordamerika, da geht man häufig essen - das haben wir aber nicht angenommen. Ansonsten ist mir der American Football nähergebracht worden. Damit hatte ich anfangs gar nichts zu tun. Über die Zeit habe ich aber Interesse daran gefunden. Den Fußball verfolge ich aber weiterhin. Vor allen Dingen, wenn die Nationalmannschaft spielt. Da versuche ich immer zuzuschauen. Bei den großen Turnieren sitze ich im Trikot vor dem Fernseher.

fanclub.dfb.de: Sie sind im Ruhrgebiet aufgewachsen. Da wird man doch eigentlich automatisch mit Fußball sozialisiert. Warum war das bei Ihnen nicht so?

Christian Ehrhoff: Meine Schwester hat Eiskunstlauf gemacht. Da bin ich mit aufs Eis gegangen. Dann habe ich ein Eishockeyspiel gesehen und war so begeistert, dass ich meinen Eltern gesagt hatte, dass ich das auch gerne machen möchte. Da es in Moers keine Bambini-Mannschaft gab, bin ich direkt nach Krefeld gegangen. Natürlich habe ich als Junge auch Fußball gespielt - auf dem Bolzplatz mit meinen Freunden. Aber mein Herz hat immer für das Eishockey geschlagen.

fanclub.dfb.de: Auf welcher Position haben Sie beim Fußball gespielt?

Christian Ehrhoff: Anders als auf dem Eis habe ich meistens im Angriff gespielt. Ich war für die Tore zuständig.

fanclub.dfb.de: Haben Sie jetzt noch die Gelegenheit, Fußball zu spielen?

Christian Ehrhoff: Im Sommer haben wir eine Gruppe, die sich unregelmäßig trifft. Wir spielen nicht häufig, da das Sommertraining auch sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.

fanclub.dfb.de: Können Sie denn den Eishockeykollegen in Nordamerika den Fußball näherbringen?

Christian Ehrhoff: Wir spielen zum Aufwärmen häufig Fußball. Aber nur mit zwei Ballkontakten, oder wir halten den Ball einfach in der Luft. Dabei merkt man, dass man als Deutscher klare Vorteile gegenüber den Nordamerikanern hat, die mit zwei linken Füßen auf die Welt gekommen sind.

fanclub.dfb.de: Dann übernehmen Sie bei den Nordamerikanern das Coaching?

Christian Ehrhoff: Bedingt, weil bei denen jedes Coaching verlorene Zeit ist. Das bringt nichts. (lacht)

fanclub.dfb.de: Waren Sie in Ihrer Jugend, weil Sie Eishockey gespielt haben, ein Außenseiter?

Christian Ehrhoff: Das würde ich nicht sagen. Aber es stimmt schon, dass ich der einzige an der Schule war, der Eishockey gespielt hat.

fanclub.dfb.de: Aber Sie haben sich nicht beirren lassen, sind Ihren Weg gegangen und haben es weit gebracht. Bei den Buffalo Sabres haben Sie einen Zehn-Jahres-Vertrag unterschrieben. Darüber würde jeder Fußballer jubeln. Wie erhält man einen solchen Kontrakt?

Im Einsatz für die Buffalo Sabres.   © Bongarts/GettyImages
Im Einsatz für die Buffalo Sabres.

Christian Ehrhoff: Der Zeitpunkt war einfach günstig für mich. Ich stand mit den Vancouver Canucks 2011 im Finale um den Stanley Cup. Danach wurde ich ein so genannter Free Agent, das heißt, ich wäre vertragslos gewesen und durfte somit frei mit anderen Klubs verhandeln. Da ich eine sehr gute Saison hatte, war ich einer der gefragtesten Spieler. Buffalo hatte sich daraufhin die Rechte an mir gesichert und mir dieses Angebot unterbreitet.

fanclub.dfb.de: Beneiden Sie andere Spieler deswegen?

Christian Ehrhoff: Ja, natürlich wird darüber gesprochen. Aber in Nordamerika ist das ja generell der Fall, dass die Zahlen der Verträge öffentlich sind. Die Leute reagieren jedoch nicht mit Neid und Missgunst darauf, vielmehr gönnen sie einem einen solchen Vertrag.

fanclub.dfb.de: Trotz NHL spielen Sie weiter für die deutsche Nationalmannschaft. Auch bei der Heim-WM 2010 waren Sie dabei. Was für ein Erlebnis war das für Sie?

Christian Ehrhoff: Das war auf jeden Fall ein Karriere-Highlight für mich. Vor eigenem Publikum solch ein Turnier spielen zu dürfen, war ein einmaliges Erlebnis. Und das hat uns auch mit dem vierten Platz zu einem historischen Ergebnis getragen. Damit konnte niemand rechnen. Darauf schaue ich gerne zurück.

fanclub.dfb.de: Was für einen Wert hat eine WM für Sie?

Christian Ehrhoff: Die Weltmeisterschaft hat im Eishockey tatsächlich nicht den Stellenwert wie die Olympischen Spiele. Viele der besten Spieler können bei der WM nicht dabei sein, weil parallel die Play-offs in der NHL laufen. Dagegen legt die NHL für die Olympischen Spiele eine Pause ein, damit alle Stars daran teilnehmen können. Dennoch: Ich bin immer stolz, wenn ich mein Land vertreten kann. Ich freue mich, wenn ich für Deutschland spielen darf.

fanclub.dfb.de: WM ist auch das Stichwort für die Fußballer. Die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien läuft. Schafft es die deutsche Mannschaft, das Ticket zu lösen?

Christian Ehrhoff: Ja, natürlich, gar keine Frage. Wir sind eine Fußballnation. Das sollte kein Problem sein.

fanclub.dfb.de: Es wird viel diskutiert, wozu die Nationalmannschaft fähig ist. Was trauen Sie ihr zu?

Christian Ehrhoff: Ich denke, wir sollten den Anspruch haben, Weltmeister zu werden. Wir haben super Möglichkeiten in Deutschland. Wenn man die Talente sieht, die durchkommen, weiß man, dass ganz viel Potenzial im Team von Bundestrainer Joachim Löw steckt.

[nb]

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